Henri Massis

Der Schriftsteller und Literaturkritiker Henri Massis (1886–1970) entstammte dem Umfeld der nationalkatholischen und royalistischen Action Française (AF). In den 1920er und 1930er Jahren arbeitete der Pariser nicht nur für die Organe der AF (dessen Grand Prix er 1929 gewonnen hatte), sondern auch für renommierte Zeitungen wie Le Figaro oder Paris Journal; später leitete er mit der Revue Universelle seine eigene Publikation.

An den Lehrmeistern des französischen Nationalismus Charles Maurras und Maurice Barrès geschult, vertrat Massis einen sogenannten Okzidentalismus im Rahmen der katholisch ausgerichteten politischen Rechten. Jenes »Abendländertum« fusste laut Otto Leitolf (Die Gedankenwelt von Henri Massis, Berlin 1940) auf dem Glauben »an eine für alle Völker der Erde gültige, traditionsgebundene, latein-katholische Kultur französischer Prägung« – und so war diesem nationalfranzösischen Glaube ein antieuropäischer Habitus immanent.

Die Weltanschauung von Henri Massis kann als eine Synthese aus »soldatischem« Nationalismus und mystischem Katholizismus eingeordnet werden. Weltanschaulich trennte Massis und seinen zeitweiligen Schüler Robert Brasillach mehr, als sie verband. Dennoch veröffentlichten sie, begeistert vom Heroismus der Verteidiger der Festung Alcázar, bereits Ende 1936, noch ganz unter dem Eindruck der Ereignisse stehend, gemeinsam das nun erstmals auf Deutsch vorliegende Buch Die Kadetten des Alcázar.